Wir haben uns zu diesem Brief entschlossen, da wir hoffen so etwas Gehör zu finden damit in Zukunft keine Schauergeschichten mehr gezeigt werden.
Programmdirektion
Erstes Deutsches Fernsehen
Dr. Günter Struve
Arnulfstr. 42
80335 München
Sehr geehrter Herr Dr. Struve,
wir freuen uns, dass in der Sendung "Marienhof" das Thema Diabetes mellitus angesprochen wird; doch leider ist uns als Diabetes-Teens aufgefallen, dass einiges in der Serie nicht richtig dargestellt wird.
Diese Sendung findet besonders beim jungen Publikum Anklang, welches sich mit dem Thema noch nicht auseinander gesetzt hat. Für diese entsteht ein völlig falsches Bild der Behandlungsmethode und dem Verlauf dieser Krankheit.
Dies macht die mühsame Arbeit vieler Selbsthilfegruppen, Organisationen und der Diabetiker selbst, in wenigen
Minuten zunichte, wofür sie lange gekämpft haben.
Die Rolle "Carlos" erkrankt in der Serie an Diabetes und entlässt sich nach einer kurzen Einweisung in das
Insulinspritzen, welches ihn sein weiteres Leben beschäftigen wird, selbst aus dem Krankenhaus. Krankenhausaufenthalte zwischen einer Woche bis 4 Wochen sind die Regel, im Einzellfall kann es auch länger dauern bzw. sind auch ambulante Schulungen möglich, aber diese gehen dann über mehrere Wochen. Dann bekommt Carlos eine Insulinpumpe, nach so kurzer Zeit mit Diabetes ist dies sehr unrealistisch. Ein Diabetiker braucht dafür mehrere Jahre, in denen er lernen muss mit dem normalen Insulinspritzen zu recht zu kommen. Ebenfalls sind eine gute Einstellung des Blutzuckers und auch ein gewisses Engagement notwendig, um überhaupt erst einen Chance zu bekommen eine Pumpentherapie zu beginnen, auch die Krankenkassen müssen erst überzeugt werden, dass die Therapie notwendig ist bzw. zu einer bessern Einstellung
führt. Daher finden wir die Darstellung nicht realitätsnahe.
Dass mit Carlos in der Serie etwas Spektakuläres wegen seinem Diabetes passieren muss ist natürlich verständlich, da sie ja spannend bleiben soll. Es sollte jedoch gesagt werden, wie er die Fehler, die er macht, hätte verhindern können.
Im Großen und Ganzen wird Diabetes in diesen Folgen der Serie als eine schlimme Krankheit dargestellt, mit der das Leben keinen Spaß mehr macht. Dies sollte jedoch die Lebenslust vieler Diabetiker widerlegen, die gelernt haben mit ihrer Lebensaufgabe umzugehen.
Man sollte annehmen, ein Sender wie die ARD, kann sich eine gute Recherche leisten, um in seinem Programm, auch wenn es nur eine Serienrolle ist, zumindest diese fachlich richtig dem Zuschauer zu präsentieren. Dann wäre solch eine Rolle lehrreich und würde vielen Diabetikern helfen ihre Krankheit anderen zu erklären. Denn viele Menschen haben ein falsches Bild und denken, dass Diabetiker (Typ 1) keinen Zucker essen dürfen oder die Krankheit nur durch den Verzehr von zu viel Zucker ausgelöst wurde, was beides definitiv nicht stimmt.
Wir hoffen also, dass wir uns in Zukunft auf eine bessere Darstellung freuen dürfen.
Das Diabetes-Teens-Team
Richard Schlomann
Katharina Lüftner
Jan Twachtmann
Doris Feldhaus
Katarina Braune
und über 200 weitere Unterstützer